Politisches

Hier findet ihr allerlei Politisches, das uns und unsere Mitschüler bewegt und begeistert.

Videospecial von Hugo (11.2): Corona und die deutsche Gesellschaft – welche Auswirkungen hat die Krise auf Erwachsene?

Videospecial von Lina (11.2): Corona und die deutsche Gesellschaft – Welche Probleme und Lösungen gibt es für junge Erwachsene während der Pandemie?

Die Schüler müssen hinten anstehen
Eine Glosse von Lennard (11.2)

Wie der Wiedereinstieg in den Schulbetrieb ablaufen soll ist noch unklar –
im Gegensatz zum nächsten Anpfiff in der Bundesliga


Na, das war ja was. Gestern einigten sich Vertreter von Bund und Ländern auf: „Lasst das mal die Länder machen“. Im föderalistischen Deutschland also ein einfaches: „Irgendwie weiter so“. Bloß, dass zuvor geächtetes Voransprinten bei Lockerungen weiter legitimiert wird. Das sowieso schon schwierige Ziehen an einem gemeinsamen Strang, kann so jetzt schnell in ein Tauziehen um die schnellsten Lockerungen ausarten, denn die Wirtschaft leidet – und das darf sie nicht! Denn offensichtlich sind das die Dinge, die in Deutschland wirklich zählen – Bruttoinlandsprodukt und Fußball. Die Leidtragenden: Eltern, Kleinkinder und Schüler.

So soll zunächst der deutsche Lebenswille durch Fortsetzung des professionellen Rasensports ab Mitte Mai gesichert werden. Auch wird erneut über Kaufprämien für deutsche Autos diskutiert, um jedem wohlwollenden Deutschen die Chance zu geben, durch den Kauf einer weiteren fälschlich zertifizierten CO2 – Schleuder für die Privatgarage, der armen Großwirtschaft unter die Arme greifen zu können. Kinder, Schüler und Eltern müssen sich da hinten anstellen – schließlich können sie dem
Land weder einen Fußball- noch einen Exportweltmeisterschaftstitel einbringen.

Während den meisten Abschlussklassen schon ein „geregelter“ Schulbesuch gewährt wird, hört man bezüglich der anderen Schüler immer wieder bloß, dass sie „bis zu den Sommerferien alle einmal die Schule besuchen können“ sollen. Ferien, die wohlgemerkt erst zwischen Ende Juni und Ende Juli anfangen. Schäuble ist diesbezüglich schon vor einigen Wochen ein ganz genialer Trick eingefallen: Einfach den Sommerurlaub um ein paar Wochen verkürzen! Dies hieße mehr Zeit für Regierung und Verantwortliche ziellos umherzudümpeln und Fragen nach einer sanitären und digitalen Aufrüstung der Schulen sowie nach der Chancenungleichheit beim Homeschooling auszuweichen.

Schüler bangen um ihre wohlverdiente Freizeit, Eltern um ihren Familienurlaub und Hoteliers und Gastronomen um ihren Umsatz. Aber die kleinteilige Tourismusbranche hat im Automobilland sowieso kein Gewicht. Dabei könnte der Vorstoß doch salomonischer nicht sein: Die Schüler könnten innerhalb der handvoll Tage den Stoff des letzten Quartals erfolgreich nachholen und die Eltern wären endlich ihre Blagen für ein paar Tage los, um sich einzig ihrem wertvollen Beitrag zur deutschen Wirtschaft in ihrem 5-Stunden Kurzarbeitstag widmen zu können.

Auch wäre das Infektionsrisiko Schule bis dahin gebannt – schließlich haben wir ja jetzt alle Masken. Realisten könnten der Meinung sein, dass halbvolle Klassenräume gepaart mit etwas Klebeband vom Hausmeister Müller nicht genug seien, die oft gruselige sanitäre Situation an Schulen aufzuwiegen, aber deren Stimmen gehen im Wirbel der Pandemie-Panik schnell unter. So würde es mich wenig überraschen, wenn sich schon bald jeder deutsche Bezirk mit seinem eigenen SchulIschgl brüsten könnte.


Videospecial von Paula (11.2): Corona und die deutsche Gesellschaft – Wie ist die Situation von Älteren und Rentnern in der Coronakrise?

Videospecial von Kaja, Lina und Mascha (11.2): Corona und die deutsche Gesellschaft – Was treibt Hamsterkäufer an und was sind die Konsequenzen? Was glauben Verschwörungstheoretiker und wie verbreiten sich Fakenews?

Videospecial von Kaja, Lina und Mascha (11.2): Corona und die deutsche Gesellschaft – wie ergeht es den Schwächsten der Gesellschaft in der Krise?

Althergebrachte Stereotypen: Hubig möchte Unterricht nach Geschlechtern trennen

von Lara Marie Miele

Rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) schlägt bei der Kultursministeriumkonferenz (KMK) die Trennung vom weiblichen und männlichen Geschlecht in naturwissenschaftlichen Fächern vor und startet eine hitzige Debatte.

„Seien wir offen dafür, Mädchen und Jungen in Fächern wie Mathe und Physik phasenweise getrennt zu unterrichten. Lassen wir uns auf dieses Experiment ein, und schauen wir, welches Ergebnis wir bekommen“, manifestiert die Präsidentin des Kultusministeriums althergebrachten Stereotypen. Ein Widerspruch zu dem Streben, Rollenklischees in der Gesellschaft abzuschaffen.

Das Fundament dieser Anregung sind die unterschiedlichen Interessen zwischen den Geschlechtern, in Bezug auf die Unterrichtsfächer. In gemeinsamen Klassen sei das weibliche Geschlecht das, was sich eher zurückzieht und zuschaut, während Jungs sofort nach vorn stürmen und bereit für den Physik Unterricht seien, so Hubig.

Ein weiterer Baustein des Fundamentes dieser Idee erfolgt durch das Interesse an der beruflichen Zukunft. Jungs streben eher etwas im technischen Bereich an, Mädchen eher im sozialen.

Ein Beleg dafür wäre die PISA-Studie aus dem Jahr 2020, die bestätigt, dass sich Jugendliche überwiegend in traditionellen Berufen sehen. Mädchen im Alter von 15 Jahren in Deutschland sehen sich als (10,4 Prozent) Lehrerin. Dahinter (10) Ärztin, (6,4) Erzieherin und (4,3) Psychologin. Jungs dagegen zu (6,7 Prozent) als IT-Spezialist, (5,2 und 5,1) Industrie- und Automechaniker, (4,5) als Polizist und zum Schluss (3,8) als Lehrer.

Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit) weist darauf hin, dass es sich nicht nur um traditionelle Berufe handele. Ein Großteil der genannten Berufe soll in näherer Zukunft schon nicht mehr „Zeitgemäß“ sein, denn auch im Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI) würden Jugendliche keine Berufe anstreben, die durch die Digitalisierung entstanden sind. Und das, obwohl sich die Bedeutungen der Tätigkeiten der drei Arbeitssektoren regelrecht verschiebt und wandelt.

Das soziale Berufsfeld, für das sie Mädchen im Alter von 15 Jahren, laut der PISA-Studie, besonders interessieren kann nicht von Robotik und KI dominiert werden. Eine Berufswahl, die in diesem Alter wahrscheinlich nicht komplett durchdacht wurde, jedoch Positives für die Zukunft verspricht, schließlich ist man auf Dienstleistungen angewiesen. Beispielweise können die Tätigkeiten eines Erziehers/-in gar nicht von Technologie verkörpert werden. Nur scheint es Hubig ein Dorn im Auge zu sein, dass das berufliche Interesse des weiblichen Geschlechtes sich deutlich in Richtung Soziale-Unternehmungen richtet.

Lorbeeren erntet sie für ihren Vorschlag nicht. Eher ist der Vorschlag ausschlaggebend, dass sich die Opposition regelrecht gegen sie stellen. Christian Baldauf, Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl 2021, moniert: „Bringt eine solche Idee rheinland-pfälzische Bildungspolitik wirklich voran? Frau Hubig sollte sich besser um die wesentlichen Probleme kümmern – dass Grundschüler Lesen, Schreiben, Rechnen lernen. Ich bin gegen neue Experimente der Landesregierung auf dem Rücken unserer Kinder ‚Schreiben lernen nach Gehör’ hat fürs Erste gereicht.“

Joachim Paul, bildungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, sagt, es gehöre zu den Herausforderungen eines Lehrers, die Zurückhaltung bei Mädchen in Fächern wie Physik und Mathe nach und nach abzubauen und sie für das Fach zu begeistern. Paul: „Wir trauen das unseren Lehrern aber durchaus zu. Die Situation halten wir keineswegs für so dramatisch, dass wir die Notwendigkeit einer räumlichen Trennung sehen. Deshalb lehnen wir sie auch ab.“ Auch Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes, sagt: „Entscheidend ist, dass wir innerhalb der Gesellschaft die beruflichen, geschlechterbestimmenden Rollmuster aufzubrechen.“

Man soll viel mehr die Jungs in „weiche Fächer“ fördern, wie Literatur und Sprachen. Mädels hingegen soll man mehr in MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaftlichen, Technischen Fächern) unterstützen.

Effizienz in der Berufswelt legt sich nicht darauf aus, gezwungen in die Berufung einzutreten. Die Effizienz, die unsere Zukunft dirigiert, zeichnet sich durch die Interesse bestimmter Beschäftigungen aus, färbt sich darauf ab, was dem futuristischen Arbeitnehmer Spaß macht und für näheren Erfolg sorgen könnte. Bei der Anregung von Hubig handelt es sich, um erster Linie, um die Beeinflussung von bestimmten Interessen der Schüler*innen.

Am Ende jedoch, lautet die Frage was die Schüler*innen von dieser Idee halten. Glaubt ihr, dass durch die Umsetzung dieser Vorstellung, im Sinne von Interessen und Effizienz, ein positiver Wandel in der zukünftigen Arbeitswelt herrschen wird? Ganz grob betrachtet, findet ihr diese Idee eher genial, oder total absurd?

„Wer entscheiden will, muss zuhören können.“

von Neel Drewes (Jahrgang 13)

Dieser Satz, auf einem Wahlplakat der Grünen für die Oberbürgermeisterwahl in Hannover ist einer von zahlreichen Wahlkampfsprüchen in Deutschland. Unabhängig von Partei oder politischer Orientierung verfolgen Wahlplakate das gleiche Ziel. Sie sollen den potenziellen Wähler aufmerksam machen und ihn bestenfalls von den politischen Visionen und Zielen der Partei oder des Spitzenkandidaten überzeugen. Bei dieser Form der persuasiven Kommunikation, dem „Überreden“ oder „Überzeugen“, wird strukturell oftmals ähnlich vorgegangen. Kurze Sätze, hervorgehobene Wörter oder einprägsame Bilder werden verwand. Mindestens ein Merkmal lässt sich auf nahezu jedem Wahlplakat wiederfinden. Neben der Struktur von Wahlplakaten ist aber auch die Art und Weise der Kommunikation mit dem Wähler entscheidend. So können Wähler beispielsweise gezielt emotionalisiert werden, indem die Wahlplakate und Inhalte auf bestimmte Gesellschaftsgruppen personalisiert werden. Eine persönliche Anrede im „du“-Format regt zum Beispiel eher jüngere Menschen an.
Abschließend lässt sich sagen, dass Wahlplakate zwar zur politischen Meinungsbildung beitragen können, sie jedoch immer Inszenierungen darstellen, um in kürzester Zeit ein möglichst positives und einprägsames Bild der Partei und ihrer Überzeugungen und Zielen beim Wähler zu schaffen. In Ausnahmefällen sollen Wahlplakate auch manipulieren. Letztendlich bedarf es immer einer ausführlichen Recherche und Auseinandersetzung mit verschiedenen politischen Meinungen und Überzeugungen, damit ihr euch eure politische Meinung bilden könnt.

„Du“ gegen „Sie“

Die Anrede „Sie“ baut Distanz auf.

von Amelie

Oft hört man, es sei schwerer, „Sie“ in Kombination mit Schimpfwörtern zu sagen, als wenn man das „Du“ gebraucht. In der deutschen Sprache ist das „Sie“ vielleicht gerade deshalb noch häufig anzutreffen. Auch, wenn unter gleichgesinnten Kollegen, Gleichaltrigen oder Gleichgestellten oft Ausnahmen bestehen. Bereits an dem Wort „gleich“ könnte man erkennen, dass das „Sie“ Unterschiede oder Rangordnungen kennzeichnet. Dass es in gewisser Weise die Gesellschaft teilt und vielleicht auch trennt…

Eine Ausnahme war beispielsweise die IGS Linden, in der in ihren Anfängen jeder und jede geduzt wurde. Allerdings hat sich dieses „Du“ in unserer Schule verirrt, bis es schließlich im Sande verlief.

Während man in der Grundschule noch Nachnamen der Lehrer*innen mit „Du“ kombiniert, wird man auf der weiterführenden Schule schon fleißig an das Distanzkonzept herangeführt.
Aber wieso siezen wir in Deutschland? Vermutlich, um dem Gegenüber Respekt zukommen zu lassen oder, um die Distanz, den Sicherheitsabstand zu wahren. Vielleicht aus Angst, jemandem zu nahe zu treten.
Aber wenn es nur eine Ansprache geben würde, müsste diese Angst gar nicht existieren. Andere Länder machen das vor. Ihre Ansprache beinhaltet sowohl Höflichkeit, als auch Vertrautheit. Vielleicht sogar alles in allem weniger Distanz. Der Schutz, den das deutsche „Sie“ also angeblich darstellt, wird in anderen Sprachen nicht benutzt und anscheinend auch nicht gebraucht.

England als Beispiel. Das „You“ scheint niemanden in seiner Ehre zu kränken und auch in Skandinavien wird geduzt. Benutzt man die veraltete Höflichkeitsform, wird man bloß verwirrt angeguckt.

Also… Kann das „Sie“ überhaupt bestehen, wenn es seinen Lebenssaft nur aus der Angst, etwas falsch zu machen, zehrt? Darf es das?
Irgendwer muss mit dem „Du“ allerdings anfangen, sonst kann keine Veränderung entstehen.Das „Du“ stellt die Menschen gleich und ebnet die Stufen.

Aber ist das „Sie“ nun gut oder schlecht? Das ist natürlich jedem einzelnen selbst überlassen, doch kann man bestreiten, dass einem immer ein Lächeln um die Mundwinkel spielt, wenn man das „Du“ angeboten bekommt?

Interview mit Kaja von Fridays for Future Hannover am 23.08.2019

Frage: Wie entstand die fff Ortsgruppe in Hannover?

Es hat so angefangen, dass ich das Video von Greta Thunberg auf der UN-Klimakonferenz gesehen habe. Da dachte ich mir, dass wir so etwas auch bei uns in Hannover machen müssten. Daraufhin habe ich mit Lou und Anna die erste Demo in Hannover organisiert. Am Tag davor hofften wir, dass ca. 300 Leute kommen und waren dann von den 2000-3000 Leuten, die da waren, stark beeindruckt. Mittlerweile sind wie schon eine große Ortsgruppe, mit 50 Mitgliedern und auch 200 Studenten sind aktiv mit dabei.

Frage: Wie lange organisiert ihr fff inzwischen?

Wir haben Anfang Januar 2019 angefangen. Das sind jetzt fast 9 Monate.

Einblicke von der Demonstration am 23.08.2019

Frage: Warum machst du bei fff mit?

Wir sehen, dass die Politik immer noch nichts gegen den Klimawandel tut und wir haben keine Zeit mehr. Als junge Generation haben wir keine andere Möglichkeit, als aufzustehen und etwas zu tun, etwas zu verändern.

Frage: Was sind deine Aufgaben bei fff?

Ich bin an der Demo-Orga beteiligt, ich organisiere also die Demos mit und ich bin verantwortlich für die Mobilisierung.Mobilisierung heißt in dem Fall, dass wir Menschen dazu bewegen, zu den Demos zu kommen. Ich schreibe zum Beispiel die Nachrichten in die Informations-WhatsApp-Gruppen von fff Hannover. Für andere Social Media Plattformen wie zum Beispiel Instagram sind andere Leute zuständig.

Einblicke von der Großdemonstration am 20.09.2019

Frage: Was hat sich seitdem du bei fff bist in deinem Leben verändert?

Total viel. Mein Freundeskreis hat sich total verändert, alleine schon, weil fff sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und ich eigentlich mittlerweile jeden Tag mit den anderen fff-Organisatoren*innen verbringe. Durch fff bin ich auch allgemein viel politisch engagierter geworden. Ich bin auch in anderen Gruppe aktiv.

Frage: Was hat sich bei den fff-Demos seit der ersten Demo verändert?

Also, bei den ersten Demonstrationen waren viele Schüler*innen noch sehr unerfahren. Sie haben uns zum Beispiel Nachrichten geschickt, in denen sie gefragt haben, ob es schlimm ist, wenn sie zwei Minuten zu spät kommen, was bei einer Demonstration ja normalerweise überhaupt kein Problem ist. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass die Schüler*innen in Hannover wissen, was fff ist, wie das läuft und mittlerweile auch erfahrener sind. Außerdem sind die Demonstrationen vielfältiger geworden und es nehmen auch viel mehr ältere Menschen an ihnen Teil. Sie sind also generationsübergreifend geworden.

Einblicke von der Großdemonstration am 20.09.2019

Frage: Hast du, seitdem Greta Thunberg angefangen hat zu streiken, Veränderungen in der Regierung mitbekommen?

Ich glaube, die einzige erkennbare Veränderung ist, dass die Gesellschaft viel mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Klimaschutz und Klimawandel legt. In der Politik sieht man leider keine großen Veränderungen und vor allem nicht die großen Veränderungen, die wir brauchen.

Frage: Hast du in der Politik Hannovers Veränderungen mitbekommen?

Wir sehen, dass die Klimaziele von 2020 nicht eingehalten werden und das sagt ja schon alles.

Frage: Was kann man als Einzelperson in seinem Leben verändern um klimafreundlicher zu leben?

Total viel. Man kann bei der Ernährung beginnen, zum Beispiel durch vegetarische oder vegane Ernährung kann man viel verändern. Aber auch durch weniger tierische Produkte. Außerdem kann man darauf achten, dass man möglichst viel Fahrrad oder Bahn fährt und kein Auto benutzt. Man kann auch darauf achten, dass man immer das Licht ausmacht. Es ist natürlich sehr wichtig, dass wir alle auf unseren Lebensstil achten, aber das reicht leider nicht mehr, um die Klimakatastrophe aufzuhalten. 71% der Emissionen werden von 100 Firmen produziert. Wir brauchen Veränderungen des Systems. Es ist einfach wichtig, dass die Politik etwas tut. Alle Individuen sollten trotzdem selber etwas tun, ihren Konsum einschränken, sich anders ernähren, sich engagieren, Menschen sensibilisieren u.s.w. Und natürlich mitdemonstrieren. Das Problem ist, dass wir in einem kapitalistischen System leben, in dem es total schwierig ist, nachhaltig zu leben. Wir brauchen große Veränderungen, damit alle Individuen nachhaltig leben können.

Frage: Positioniert sich die Ortsgruppe Hannover klar links oder antikapitalistisch, so wie das schon andere Ortsgruppen gemacht haben?

Wir als fff Hannover sind der Meinung, dass, wenn es in dem System, in dem wir im Moment leben, nicht möglich ist nachhaltigen Klimaschutz umzusetzen, natürlich das System in Frage gestellt und verändert werden muss. Außerdem positionieren wir uns gegen Rassismus, Faschismus, Sexismus, Homophobie und alle Formen der Diskriminierung.

Landtagswahlen in Sachsen

Weshalb die AfD in Sachsen immer mehr Zuwachs bekommt. Eine fiktive Reportage von Malina Kienhorst (13.7K2)

Am 01. September 2019 ereignete sich erneut eine Landtagswahl in Sachsen, bei der sich die 2013 gegründete Partei AfD, als stärker denn je entpuppt.

Die AfD; eine Partei, welche völkisch-nationalistische, homophobe, antifeministische, antisemitische und geschichtsrevisionistische Positionen vertritt. Dies sind lediglich Beispiele der kritisch zu betrachtenden Ansichten der AfD.

Aufgrund der Tatsache, dass sich die angebliche „Alternative für Deutschland“ im Gegensatz zu den Volksparteien, welche deutlich an stimmen verloren haben, einen Zuwachs von 17,8 % im Vergleich zu 2014 gesichert hat, und somit mit 27,5 % die zweitstärkste Partei nach der CDU geworden ist, frage ich mich, warum die Partei, gerade im Osten, vor allem in Sachsen, einen solchen Zuwachs erfährt.

Ich mache mich auf den Weg in die AfD-Hochburg Pirna in Sachsen, um von den Bürgern selbst zu erfahren, was ihr Anliegen ist, eine Partei wie diese zu wählen.

Jeder dritte in Pirna wählt die AfD; es ist die Stadt, in der sich Frauke Petry ein Direktmandat für die AfD geholt hat. Hier hat die Partei zum ersten Mal mit 27,0 % den ersten Platz, knapp vor der CDU mit 26,9 % ergattert.

Ich suche nach überzeugenden Aussagen, erhalte aber lediglich Antworten auf meine Frage, weshalb sie die AfD gewählt haben; wie beispielsweise: „Was da gerade läuft mit den Ausländern – viel zu viele – hier fliegen doch die Tauben rum für die, ich kann kommen, muss nichts machen, krieg‘ Geld“ oder „man wird ja ständig angerempelt von denen – das machen die Deutschen nicht – und wenn, muss man keine Angst haben, dass da ein Messer kommt“.

Diese Aussagen reichen mir nicht. Ich suche weiter. Nach einiger Zeit treffe ich auf eine Dame, die mir erklärt, es sei die jahrelange Regierung der CDU und Pegida, die schon darauf hingedeutet hätte, dass die AfD in Sachsen so groß wird. Ich frage mich ob Sie recht hat; hätte man die Wahl vorher vielleicht beeinflussen können? Liegt die Schuld bei den Volksparteien? Ein weiterer Mann predigt: „Es ist die ganze Marktpolitik, die die CDU prägt, die ist ausgelegt auf die gut Verdienenden, auf die Wirtschaft, und immer wird betont, wie gut es doch eigentlich ist, wie gut die Wirtschaft läuft, aber man vergisst dabei, dass man nicht alle mitgenommen hat“.

Mich erwarten weitere Kommentare wie „die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg“, „die anderen Parteien sind doch Volksverräter“, „die kriegen mehr Geld wie unser, ich bin krank, hab‘ jahrelang gearbeitet – kann ich nicht mehr – und die kriegen mehr Geld als wir“ und „Wut, auch Enttäuschung, dass die alten Parteien mal munter werden“. Die Aussage einer jungen Dame überrascht mich: „Ich fühle mich vom Westen nicht ernst genommen – ich bin nicht rechts, finde es nicht schlimm, dass hier so ein paar Flüchtlinge sind, aber die Parteien nehmen uns nicht ernst, wir sind nur die blöden Ossis. Die AfD erkennt unser Problem“.

Es scheint als würde hier der Ost-West-Konflikt, welcher durch die Trennung Deutschlands durch die Mauer 1961 entstand, immer noch spürbar sein. Das habe ich, als „Westdeutsche“ gar nicht wahrgenommen, umso erstaunter bin ich. Aber gibt es denn immer noch spürbare Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland?

Ich entscheide mich dazu, ein wenig zu recherchieren. Aus Berichten von Ostdeutschen erfahre ich, dass sie oft mit Sprüchen und schlechten Witzen zu kämpfen haben. Nicht nur das, auch in der Wirtschaft lassen sich deutliche Unterschiede feststellen. Laut einem Bericht zum Stand der Deutschen Einheit, welcher von dem Ostbeauftragten Christian Hirte verfasst wurde, verlangsame sich der Ausgleich zwischen ost- und westdeutscher Anpassung. Beispielsweise ist die Arbeitslosigkeit im Osten mit mit 7,6 % immer noch höher als im Westen mit 5,3 %. Auch die Löhne im Osten liegen nur bei 82 % des Westniveaus.

Aber entschuldigen diese Argumente, eine Partei zu wählen, welche die Demokratie gefährdet, den Klimawandel leugnet und das Leben von Menschen, die vor Krieg und somit dem Tod fliehen, als unwichtig darlegt?

Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen, unumstritten ist aber, dass die Volksparteien CDU und SPD im Osten versagt haben. Hätten sie sich mehr auf das Klagen der Bürger eingelassen und deren Probleme wahrgenommen, wäre die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen vielleicht nicht auf Platz zwei, sonder auf Platz vier gelandet.


O-Töne zu „Fridays for Future“

Wir haben einige Schüler des 10. Jahrgangs gefragt, was sie von „Fridays for Future“ halten.

„Ich finde gut, dass sich die Jugendlichen für ihre Interessen und Werte einsetzen.“

~Efe Kaan G.

„Ich finde, dass es eine sehr tolle Bewegung ist und ich finde es gut, dass sich so viele Schüler engagieren.“

~Sara B.

„Ich finde es gut, dass sich die Jugend für ihre Zukunft einsetzt.“

~Lina H.

„Ich finde es schade, dass viele Politiker „Fridays for Future“ nicht richtig ernst nehmen. Aber es ist umso besser, dass die Schüler trotzdem weiter machen, und sich nicht unterkriegen lassen.“

~Kaja S.

„Ich finde es gut, dass sich so viele Jugendliche gegen den Klimawandel einsetzen und hoffe, dass sie was verändern werden, aber ich glaube nicht daran, weil es viel mit reichen Leuten zusammen hängt.“

~Aaron Z.

„Wir finden es gut, dass sich die Schüler einsetzen und wollen an der nächsten Demo auch teilnehmen.“

~Tayfur C. und Mustafa H.


Schwänzen für’s Klima

Die „Fridays for Future“-Bewegung ist zur Zeit in aller Munde. Doch was ist das überhaupt?
Die Freitags-Demos wurden von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg ins Leben gerufen, um ein Zeichen gegen die Klimapolitik zu setzen.
Sie begann im Sommer 2018 damit, sich während der Schulzeit vor das schwedische Parlament zu setzen. Das ganze unter dem Motto: „Schulstreik fürs Klima“.

Ihr Einsatz ging viral und mittlerweile gehen jeden Freitag zehntausende von Schülern auf die Straße, statt in die Schule, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren.

Wir selber waren schon auf vier „Fridays for Future“-Demos und haben gemerkt, dass die Anzahl der Teilnehmer bei jedem Mal gestiegen ist. Am 15.03.2019 fand eine globale Demo statt. Allein in Hannover waren wir 13.000, deutschlandweit 300.000 und auf der ganzen Erde 1.7 Millionen Teilnehmer.

Vincent: Die „Fridays for Future“-Demos sind eine tolle Sache – aber ihr solltet besser in eurer Freizeit demonstrieren gehen.

Wir: Wir sehen das anders. Wir gehen unter dem Motto: „Warum für die Zukunft lernen, wenn es keine gibt?“ auf die Straße, oder wie Greta Thunberg es formuliert hat: “Why should I be studying for a future that soon may be no more, when no one is doing anything to save that future?” Außerdem erlangen wir so mehr Aufmerksamkeit. Wenn wir nicht in der Schulzeit demonstrieren würden, würde es in den Medien nicht eine solche Aufmerksamkeit erregen.

Vincent: Ach kommt, wenn ihr die Wahl zwischen PlayStation und Demo habt, ist doch klar, wofür ihr euch entscheidet!

Wir: Bei ein paar Schülern mag das der Fall sein. Der Großteil würde aber auch in seiner Freizeit dafür auf die Straße gehen. Das sieht man zum Beispiel an den mühe- und liebevoll gestalteten Plakaten, die die Schüler in ihrer Freizeit gebastelt haben. Außerdem gibt es sehr viele Organisatoren, die ihre Freizeit für die Demo-Organisation opfern. Sie organisieren außer den Demos zum Beispiel auch Fahrten zu „Fridays for Future“-Demos in anderen Städten und Treffen, auf denen sie Plakate und Banner gestalten.

Vincent: Die regelmäßige Teilnahme an Demos innerhalb der Schulzeit verstößt gegen das Gesetz, denn es gibt eine Schulpflicht in Deutschland! Ihr könnt doch nicht jeden Freitag der Schule fern bleiben…

Wir: Es gibt dafür keine wirklich klare rechtliche Regelung. Auf der einen Seite steht die Schulpflicht und auf der anderen Seite das Demonstrationsrecht, welches besagt, dass die Demonstrationsfreiheit ein „unentbehrliches und grundlegendes Funktionselement eines demokratischen Gemeinwesens“1 ist. Zudem gibt es auch viele Lehrer*innen bei uns, die unser Engagement unterstützen und unsere Entschuldigungen akzeptieren. Übrigens läuft sogar auf den Bildschirmen bei uns in der Schule Werbung für „Fridays for Future“.

Vincent: Wollt ihr jetzt jedes Mal für politisch korrekte Themen demonstrieren gehen und dafür der Schule fern bleiben, wenn es euch gerade in den Kram passt? Wie für Frauenrechte, Mindestlohn oder Tierwohl…

Wir: Unsere Klimalage ist aber im Moment sehr akut. Die erste deutsche Stadt, Konstanz, hat sogar schon den Klima-Notstand ausgerufen! Konstanz liegt am Bodensee, der sich stark erwärmt hat. Dadurch sterben dort viele Arten. Es muss jetzt gehandelt werden, weil es bald zu spät ist!

1 Seit BVerfGE 7, 198 (208); s. Ferner z.B. BVerfGE62, 230 (247); 76, 196 (208f.)